Bio-Rindfleisch aus Arnstein-Binsfeld

 

Betriebsgeschichte

Burkard Sauer, der Mitglied im Naturland Verband ist, haben wir zufällig auf dem Ziegenhof in Müdesheim kennengelernt.
1998 übernahm er nach seinem Landwirtschaftsstudium den elterlichen Hof in Arnstein-Binsfeld und stellte im Jahr darauf auf Ökolandbau um. Seine Frau, die sich derzeit um die kleine Tochter kümmert, arbeitet in der Milchleistungsprüfung.

Hält seit über 15 Jahren Bio-Rinder: Burkhard Saue

Hält seit 1999 Bio-Rinder: Burkard Sauer

 

Deutsches Gelbvieh mit Mutterkuhhaltung

Die Rasse Deutsches Gelbvieh, früher die Standardrasse im Würzburger Raum, war ehemals eine Drei-Nutzungsrasse: Arbeitstier auf dem Feld, Fleisch- und Milchlieferant.
In den letzten 15 Jahren wurde diese Rasse allerdings von anderen Rinder-Rassen, die eine höhere Milchleistung erbringen, mehr und mehr verdrängt. Heute werden die Tiere meisst als Mutterkuhrasse gehalten.

Mutterkuh mir ihrem Kalb im Aufenthalts- und Ruhebereich mit Stroh-Einstreu

Mutterkuh mir ihrem Kalb im Aufenthalts- und Ruhebereich mit Stroh-Einstreu

Burkard züchtet seine Mastrinder (das deutsche Gelbvieh ist für eine langsame Mästung prädestiniert) in extensiver und naturnaher Mutterkuhhaltung. Hierbei werden die Kälber von ihrer Mutter gesäugt und aufgezogen; sie laufen von Anfang an in der Herde mit.
Ein Absetzen und Separieren der Kälber von den Müttern ist hier im Gegensatz zur Milchviehhaltung nicht nötig.

Die Jungbullen werden mit 3-4 Monaten kastriert und bleiben als Ochsen in der Herde. Die weiblichen Jungtiere, so genannten Färsen, behält der Betrieb zu einem Teil zur späteren Weiterzucht. Die anderen Färsen werden, wie die Ochsen, mit etwa zwei Jahren geschlachtet.

 

Fütterung und Fleischqualität

Im Winter fressen die Rinder Grassilage und Heu. Im Sommer kommt etwa die Hälfte von ihnen auf die Weide. Mais oder Soja, um das Wachstum zu beschleunigen, benötigen sie im Gegensatz zu anderen Rassen, welche schneller ihr Schlachtgewicht erreichen müssen, nicht.
Durch die naturnahe Fütterung wachsen die Bio-Rinder wesentlich langsamer; ihr Fleisch ist kompakt und enthält wenig Wasser – das schmeckt man.

Futterabteil

Futterabteil

Das Fleisch von Ochsen und Färsen hat einen hohen Fettgehalt. Dies hat eine positive Auswirkung auf die Fleischqualität, auf welche Burkard Sauer großen Wert legt.
„Gutes Rindfleisch“, erklärt er „erkennt man an seiner Marmorierung„. Diese entsteht durch die feine Verteilung der Fettäderchen im Muskelfleisch – wenn das Tier langsam genug wächst. Das Resultat ist saftiges Fleisch mit intensivem Geschmack.

Das Schlachtgewicht seiner Ochsen liegt bei der Schlachtung bei etwa 350-420 kg, das der Färsen bei 275-350kg.

 

Haltung und Stallungen

Was sich ebenfalls positiv auf den Geschmack auswirkt ist das Wohlbefinden der Tiere in den Binsfelder Stallungen und auf der Weide, wo ein Drittel der Rinder die Sommermonate verbringt. Diejenigen, die auf dem Hof bleiben, haben dann noch mehr Platz.

Weidehaltung von Rindern, so lernen wir hier, ist in Mainfranken generell etwas schwieriger als in anderen Regionen, da es mit im Schnitt 500 mm/qm zu wenig regnet, um das Gras schnell genug nachwachsen zu lassen.
Außerdem benötigt ein Rind sehr viel – etwa ein Hektar – Weidefläche im Jahr, um der Grasnarbe und der Umwelt nicht zu schaden. Diesen Platz kann nicht jeder zur Verfügung stellen, vor allem wenn – z.B. im Gegensatz zum Allgäu, wo Weidehaltung der Standard ist – in Mainfranken auch noch große Flächen für den Ackerbau verwendet werden.

Verbindung zwischen Futter- und Ruhebereich

Jungrind und Kalb im Verbindungsgang zwischen Futter- und Schlafbereich

Um dem Bewegungsdrang der Tiere dennoch weitgehend gerecht zu werden, ist die Stallanlage in mehrere Bereiche unterteilt, welche mit Gängen verbunden sind: Futter-, Schlaf- und Aufenthaltsbereich sowie zwei kleinere Abteile, zu welchen nur die Kälber Zutritt haben. Der Auslauf steht den Tieren das ganze Jahr zur Verfügung.

Der Boden im Futterbereich ist nicht eingestreut, hier ist ein Spaltenboden hygienischer und leichter zu reinigen.
Die Tiere können allerdings frei wählen, wo sie sich aufhalten und, abgesehen von den Futterzeiten oder wenn sie von Stimmen im Stall angelockt werden, findet man sie wiederkäuend im überdachten Außenbereich mit Stroheinstreu.

Im Sommer auf der Weide

Im Sommer auf der Weide

 

Enthornung auch im Bio-Bereich

„Hier im Stall geht es auch schonmal etwas heftiger zu“, erzählt uns Burkard bei unserem Besuch. Daher enthornt er seine Tiere, wie die meisten Betriebe, um das Verletzungsrisiko zu senken. Im Bio-Bereich braucht man auch dafür eine Ausnahmegenehmigung, die allerdings so gut wie jeder Betrieb hat.

Eine der ersten Kühe im Biobetrieb - sie geht umsichtig mit ihren Hörnern um, eine Garantie gibt es dennoch nicht der Herde

Eine der ersten Kühe im Biobetrieb – sie geht umsichtig mit ihren Hörnern um, eine Garantie gibt es dennoch nicht

Enthornung, wie auch die Kastration, geschehen unter Betäubung und dauern nur wenige Sekunden. Dafür sind die Tiere, aber auch die Menschen, die mit Ihnen umgehen, ihr Leben lang vor Verletzungen geschützt.
Es gäbe zwar durchaus Rinder, die auch mit Hörner kein Risko darstellen würden, doch dies lässt sich bei Kälbern einfach nicht einschätzen. Setzt ein erwachsenes Rind später seine Hörner – aggressiv oder versehentlich – ein, müssen diese unter Narkose abgesägt werden.  Dies bedeute einen wesentlich größeren Eingriff für das Tier, als die Verödung der Hornansätze im Kälberalter.

Kälber in ihrem Stallbereich

Enthornte Kälber in ihrem Stallbereich – dem so genannten Kälberschlupf

 

Schlachtung

Burkard Sauer liefert seine Tiere immer persönlich im 10 km entfernten Schlachthof in Retzbach ab. Er begleitet sie vom Viehhänger ins Schlachthaus und bleibt bis zum Tod, der bei Rindern durch den Bolzenschußapparat herbeigeführt wird, bei ihnen.
Die Anwesenheit einer bekannten Person erspart den Tiere unnötigen Stress. Dies schlägt sich auch in der Fleischqualität nieder.

Immer auf Kontaktsuche zu ihrer Bezugsperson

Immer auf Kontaktsuche zu ihrer Bezugsperson

 

Verkauf und Kontakt

Im 10 kg-Mischpaket ist alles küchenfertig verpackt und beschriftet. Es enthält: Braten, Kochfleisch, Gulasch, Hackfleisch, Steaks und Rouladen. Edelteile wie Lende oder Tafelspitz bekommt man extra.
Nach der Schlachtung hängen die Rinderhälften eine Woche im Kühlhaus, bevor sie zerlegt werden. Dies dient der Reifung des Fleisches.
Preise auf Anfrage.
Auch Bio-Kartoffeln kann man hier kaufen.

Burkard SauerNaturland Logo
Luipoldstr. 6
97450 Arnstein Binsfeld
Tel: 09360-993002
Mobil: 0160-2291512

Die Stallungen und Tiere darf man sich natürlich auch gerne anschauen, wenn man in der Gegend ist.

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Bio-Rinder 49.951750, 9.887820 Bio-Rindfleisch: weitere Infos

 

Fazit

Nach diesem positivem Beispiel glauben wir, dass die Form der Haltung wie sie hier praktiziert wird – ein Kompromiss zwischen Stall und Weide – durchaus artgerecht sein kann. Voraussetzungen sind hier ein entsprechendes Platzangebot, Tageslicht und natürliche Witterung, Einstreu mit Stroh sowie naturbelassenes Futter.
Der Verbraucher bekommt hier ein ausgezeichnetes Produkt zu einem angemessenen Preis bei fairer Nutztierhaltung. Ganz so wie es unser Motto ist.

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