Rezepte

In Zeiten, in denen das ganze Tier noch komplett verwertet wurde und somit wertvoll war, wurde nichts weggeworfen. Viel hat man noch selber gemacht. Klar, das kostet ein wenig Zeit, aber ganz ehrlich: Einkaufen kostet auch Zeit und Nerven.
Wir möchten hier einige Anregungen geben.

 

Knochen

Lasst Euch bei dem Bauern, Metzger oder Hofladen doch einfach mal 2 kg Knochen geben. Im Regelfall wird der Verkäufer, vor allem wenn es ein Direktvermarkter ist – entzückt sein und Euch das Ganze vermutlich „für den Hund“ für einen Minimalbetrag geben – oft werden die Knochen nämlich entsorgt, da kein Mensch sie haben will.

Aus diesen 2 kg lässt sich mit etwas Gemüse und Gemüsebrühe dann erstmal ein Eintopf oder ein Gulasch schmoren. Einfach alles in einen großen Topf geben und 2-3 Stunden simmern lassen. Das Fleisch wird zart und löst sich vom Knochen. Das wäre schon mal das erste Essen – Knochen abnagen macht Ihr doch beim Grillen im Sommer auch gerne!
Die Fleischreste vom Knochen schaben und wieder hinein in den Topf: Gibt als zweites Essen am nächsten Tag eine Suppe.

Auch Fonds einkochen und in Twist-off-Gläsern (Schraubverschlußgläser von Marmeladen, Gurken etc.) für spätere Verwendung aufbewahren ist eine Möglichkeit (dann keine Stärke wie Mehl zugeben, sonst geht’s kaputt). Gekochte Knochen in den Biomüll und nicht dem Hund geben – alle gekochte Knochen können splittern im Gegensatz zu frischen Knochen. Frische Knochen werden bei Hunden, wenn sie es nicht gewohnt sind, manchmal schlecht vertragen: Kotztüte bereitstellen.

„Schlechtere“ Fleischstücke

Gibt es eigentlich nicht. Gemeint sind hier Stücke, die keinen Braten, kein Steak und kein Schnitzel – also grob zusammengefasst kein größeres Stück zusammenhängendes Fleisch ergeben. Damit kann man das Gleiche tun, wie oben unter Knochen. Alternativ Gulasch, Eintopf, oder ganz prima und ganz einfach: Pastete. Fleisch klein schneiden oder idealerweise im Fleischwolf (die alten aus Eisen kosten nur ein paar €) klein wolfen. Dann kann man es z.B. mit glücklichem Ei und Gewürzen mischen und in einer Form im Backofen stocken lassen. Oder ebenso in Twistoff-Gläsern oder Weck-Gläsern einkochen.

Kennt ihr schon das „Fünfte Viertel“ vom Tier? Wenn nicht klickt hier um unseren Blogbeitrag zu dem Thema zu lesen.

Zu viele Eier? Soleier Rezept

Da es sich oft nicht lohnt wegen ein paar wenigen Eiern zu einem Vermarkter zu fahren, hier mal ein Tipp für die Verarbeitung von vielen Eiern: Soleier.

  1. Eier 10 Minuten hart kochen. Aus dem Wasser nehmen, beiseite stellen.
  2. Wenn die Eier sauber waren, das Wasser weiterverwenden und mit Salz, Zwiebelschalen und Gewürzen aufkochen. Als Gewürze eignen sich zB: Lorbeerblätter, Kümmel, Nelken, Wachholderbeeren, Sojasauce, Zwiebeln, Chili, Pfeffer. Die Zwiebelschalen sorgen für eine dunkle Färbung, die später eine schönes Muster auf die Eier zaubert.
    Gewürzsole kochen

    Gewürzsole kochen

    Man benötigt später so viel Wasser, dass die Eier in einem Gefäß bedeckt sind. Salz 1-2 EL pro Liter. Es muss richtig salzig schmecken, dann ist es richtig.

  3. Den Sud etwas abkühlen lassen und durch ein Sieb abseihen.
  4. Sobald sich die Eier anfassen lassen, die Eischale anknacksen, so dass viele kleine Risse entstehen.
  5. Eier in ein Gefäß (Tonkrug, Weck-Glas, Glasgefäß) schichten.
  6. Sud darübergeben.

    Jetzt ein paar Tage stehen lassen...

    Jetzt ein paar Tage stehen lassen…

  7. Kühl stellen (zB Keller) und mind. 2 Tage durchziehen lassen
... und genießen. So schön sehen sie dann aus.

… und genießen. So schön sehen sie dann aus.

(Keine) Eier im Winter und die Alternative

Ein normales Huhn legt im Winter keine Eier, siehe hier.
Im Sinne der Mäßigung könnte man vielleicht im Winter einfach mal auf das Frühstücksei verzichten.
„Aber! Aber die Weihnachtsbäckerei!“ denken jetzt viele. Keine Sorge, dafür gibt es no-egg (z.B. hier). Ein tierloser Eierersatz in Pulverform, der sich vorzüglich zum backen und kochen eignet. Einfach zu dosieren und lange haltbar. Und was glaubt ihr wie genial das erste Ei nach der Winterpause Euch schmeckt! 🙂

 

Milchprodukte selber machen

Wie? Ihr nehmt Eure Milch nur zum Backen oder für’n Kaffee/Tee? Dabei kann man ganz einfach, tolle Sachen mit Milch selbst machen. Man muss nur ein wenig experimentieren.

Zum Beispiel:

  • Joghurt: 1l Milch mit 4EL gekauftem Joghurt mischen. 2-4 Stunden bei Körpertemperatur (ca. 38° C) stehen lassen, dann kühlen. Die Joghurtbakterien aus dem gekauften Joghurt breiten sich dann aus und machen aus Eurer Milch Joghurt. Danach kühlen.
  • Sahne: mindestens 5l Rohmilch über Nacht in einer möglichst breiten, flachen Schüssel stehen lassen. Der Rahm setzt sich oben ab und lässt sich dann abschöpfen.
  • Butter: Dafür benötigt man Sahne (^) und zB ein großes Schraubverschlußglas: Sahne rein, verschließen und schütteln bis es Butter ist. Es ist wirklich so einfach.
  • Dickmilch: 1l Rohmilch (<Link zur Kuhlen Jule fehlt noch – kommt nächste Woche>) mit einem kleinen Krümel (fingerkuppengroß) Sauerteigbrot in eine flache Schale geben, bei Körpertemperatur über Nacht stehen lassen. (<– Wer das schafft, schickt mir bitte eine Info, bei mir klappt das nämlich nicht. Es wird immer Sahne)
  • Frischkäse: 1l Milch mit ein paar Spritzer Essig oder Zitrone erhitzen, bis sich die Molke (=Flüssiges) vom Bruch (=Festes) trennt, dann in ein (Küchen-) Tuch in einem Sieb abgießen. Nach Bedarf pressen (dann wird’s fester und man kann’s schneiden, zB für indische Gerichte) oder als Frischkäse verwenden.
  • Quark/Topfen: 1l Rohmilch mit 5EL gekaufter Buttermilch in einer Schüssel verrühren. Verschließen und 2 Tage bei Körpertemperatur stehen lassen. Dann 1-2 Stunden auf Raumtemperatur halten (Herd/Ofen). Molke trennt sich nun vom Bruch. In ein Sieb mit Tuch abgießen. Je länger man es stehen lässt, desto fester/trockener wird der Quark/Topfen.
  • Molke: Die bleibt ja beim Käsen immer übrig. Nicht wegschütten, sondern entweder pur trinken oder für das Gesicht nehmen, oder für ein Bad. Ist super für die Haut.
  • Kochkäse: 500g trockener Quark/Topfen mit 3 Teelöffel Natron mischen. Hier gehen die Rezepte nun auseinander: ein paar Stunden bis mehrere Tage stehen lassen. Dann 250g Butter schmelzen, den Quark dazu und lange rühren. Nicht kochen lassen! Salzen und fertig.
  • Hartkäse: 5l Rohmilch oder Milch mit 150ml gekaufter Buttermilch verrühren. Bei Raumtemperatur einige Stunden stehen lassen (je länger desto saurer wird der Käse). Dann Lab zugeben (gibt’s in Tabletten- oder flüssiger Form), weiter stehen lassen, etwa eine Stunde. Dann, wenn die Masse gestockt ist und sich die Molke schon trennt, kleinschneiden in Würfel, oder mit dem Schneebesen vorsichtig durchrühren, auf 45°C unter Rühren erhitzen. In ein Sieb mit Tuch abschütten, Molke abfließen lassen. Käse pressen (da muss man kreativ sein), dann in Salzlake einlegen (etwa 1 EL auf 1l Wasser). Eine Stunde oder über Nacht (je nach Käse – ausprobieren!). Dann reifen lassen. Für Hartkäse gibt es hunderte verschiedener Rezepte, man braucht zum Ausprobieren kein spezielles Zubehör oder irgendwelche Käsekulturen kaufen. Wenn man den Bruch nach dem Abtropfen mit 3-4EL gekauftem Blauschimmelkäse, den man zuvor in Molke aufgelöst hat, mischt, kann man sogar Schimmelkäse herstellen.

 

Milch-Alternativen selbst herstellen

Bevor man Milch von nicht artgerecht gehaltenen Tieren kauft, warum nicht auch mal auf eine Alternative ausweichen?

Sojamilch, Reismilch, Hafermilch etc. Zum Kochen, Backen und für Kaffee/Tee völlig ausreichend. Wenn Ihr Euren Tee/Kaffee mit Zucker trinkt, dann versucht es mal mit Hafermilch. Die ist an sich schon relativ süß, bzw wenn man sie selbst macht, kann man selbst steuern wie süß.

Da Milchalternativen im Supermarkt relativ teuer sind, kann man diese natürlich auch ganz einfach selbst herstellen.

Zum Beispiel:

 

Hafermilch

1 Tasse Haferflocken
~7 Tassen Wasser
Prise Salz und Zucker

Haferflocken mit 2 Tassen Wasser, Zucker und Salz zu einem Haferbrei kochen (= Porridge: super lecker zum Frühstück).  Dann mit 3 Tassen Wasser pürieren. zB durch ein Geschirrtuch abseihen und ausdrücken. Fertig!

6 thoughts on “Rezepte

  1. Hallo Jen!

    Sehr interessante Rezepte sind das! Hast du das mit dem Joghurt selbst machen schon ausprobiert? Funktioniert das bei Raumtemperatur?
    Ich habe nämlich eine „joghurette“ vermacht bekommen. Das ist ein Gerät, mit dem man Joghurt aus Milch und Naturjoghurt machen kann. Es hält wohl die Temperatur auf einem konstanten Level, wenn ich das richtig verstanden hab.
    Das Gerät und den Strom könnte ich mir dann ja sparen…

    Viele Grüße
    Susi

    • Hi Susi,

      Raumtemperatur reicht leider nicht aus. Es sei denn Du hast daheim 38°C 😉 Das brauchen die Jogurt-Bakterien-Tierchen um sich gut zu vermehren.

      Ja, probiert habe ich es schon und es funktioniert – einfach bissl experimentieren!

      Das Schöne – wenn Du es mit Rohmilch wie zB aus Untereschenbach von der Kuhlen Jule machst – ist: Es kommt immer irgend etwas Essbares dabei raus. „Normale Supermarkt“ -Milch schlägt da eher mal in Nicht-Eßbares um. Aber das möchte ich hier nicht näher ausführen 😉

      Servus,
      Jen

  2. Ich könnte dem noch meine Kefirproduktion hinzufügen, die zwar schon vor 20 Jahren mit allerdings nicht ökologischen Zutaten gestartet wurde, die mir aber zuverlässig über den größten Teil des Jahres eine leckere tägliche Portion frischen Kefir bescherte.

    Das ging damals mit H-Magermilch 1,5% und als Starter einem gekauften Kefir mit lebenden Kulturen( auch 1,5 %). In einem Topf der etwa 5 Liter fast setzte ich 3 Liter H- Milch an und goss das mit einem Becher (500ml) Kefir auf. Je nach Raumtemperatur (in meinem damals gemieteten Lehmfachwerkhaus stieg die Temperatur im Sommer fast nie über 18°) konnte ich ab dem frühen Frühjahr bei etwa 10° Raumtemperatur anfangen und eben bis zum gewitterträchtigen Hochsommer wenn das ganze mal umkippen konnte, täglich einen halben Liter Kefir entnehmen. Nach der Gewitterzeit musste ich neu ansetzen und konnte bis Anfang November weiter Kefir trinken. Das erste mal abschöpfen konnte ich nach 3 – 5 Tagen und ich füllte dann nach 2 – 3 Tagen einen Liter Milch nach. Der Raum war ein ungeheizter Zwischengang zu einer Waschküche und war von direkter Sonne wie von all zu viel Staub befreit. Das Gefäß ein Emailletopf und die Abdeckung ein Leintuch.

    Nachmachen würde ich das heute nur mit Biologischen oder Ökologischen Grundstoffen. Hier ein neues funktionierendes Gleichgewicht zwischen einer passenden Kefirkultur und einer passenden Milch zu finden ist wahrscheinlich was für Spezialisten. Originaler Kefir wird meines Wissens aus Stutenmilch hergestellt.
    Erstaunlich, dass sich die Kulturen auch in Kuhmilch so gut vermehren.

    Zum nachmachen wäre es wohl besser die Zutaten nach den heute

  3. Hallo,
    meine bisher zwei mal hergestellte Hafermilch (nicht gekocht, sondern kalt püriert), kann ich nicht zum Kochen (oder Backen) verwenden. Die Hafermilch wird gleich klumpig in der Pfanne, sah aus wie Käse. Liegt das an meiner Herstellung der Hafermilch, da ich sie eben nicht aufgekocht habe?

    Vielen Dank

    • Hi Patricia,
      das liegt an der Stärke. Ist wie wenn Du Mehl in eine kochende Flüssigkeit einrührst zum Eindicken.
      Backen ist allerdings kein Problem, da soll ja normalerweise alles fest werden.

      Ich überlege allerdings gerade wann man flüsige, heiße Milch braucht, außer für Kakao oder mit Honig 😉

      Grüssle,
      Jen

      • Hallo Jen

        vielen Dank für die Erklärung. Auch, dass es zum Backen demnach geht.
        Wenn ich jedoch bspw. Pudding oder Grießbrei oder aber Bechamelsauce machen möchte oder vielleicht einfach „Sahne“ in eine Soße haben möchte, muss ich die Milch ja (auf)kochen. Ich habe mittlerweile Reismilch hergestellt und werde auch Dinkel- und Mandelmilch versuchen. Ich gehe davon aus, dass es damit wohl eher geht.

        Viele Grüße, Patricia

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