Milchkuhbetrieb in Hammelburg

Betritt man den Hof von Familie Rau in Untereschenbach, dies liegt bei Hammelburg, wird man ausnahmsweise nicht von einem Hofhund begrüßt. Vielmehr von der Hofkatze, bei der wir uns bei unserem Besuch am 14.2.2013 nicht ganz entscheiden konnten, ob sie sich nun freut, oder ob sie ihre 40 Kühe gegen uns Fremde verteidigen möchte.

Etwas skeptisch...

Etwas skeptisch…

Die Kühe von Familie Rau stehen in einem so genannten Laufstall und haben sogar eine Kuhbürste. Auch wenn die Laufgänge für uns Laien erst einmal etwas schmutzig und matschig ausschauen – große Kühe müssen eben auch viel – sind die Tiere sauber und entspannt, da sie zum Schlafen und Ausruhen ihre Schlafplätze mit Stroh aufsuchen können. Auf die Weide dürfen sie leider nicht, da dies einen immensen Aufwand für den kleinen 1-Frau-1-Mann Betrieb bedeuten würde, denn zweimal am Tag geht es ans Melken. Dafür müssen die Tiere im Stall sein.

Laufstallgangreinigung automatisch

Laufstallgangreinigung automatisch

Hofverkauf Rohmilch höchster Güteklasse

Die Milch – die schon seit Jahren zur höchsten Güteklasse gehört – wird alle 2 Tage von der Molkerei Zott abgeholt. Und – was viele Einheimische gar nicht wissen – man kann die Milch auch an dem hofeigenen Milchautomaten zwischen 8 und 19 Uhr einfach selbst zapfen.

Die "Kuhle Jule", hier drin bekommt man die gute Milch

Die „Kuhle Jule“, hier drin bekommt man die gute Milch

Die „Kuhle Jule“, wie sie ihren Milchautomat genannt haben, bietet gekühlte Rohmilch ab 100ml zum Selberzapfen. Man bringt einen Behälter mit, oder kann auch Milchflaschen aus Glas am Automat kaufen. Ein Liter der Rohmilch, die von allen Milchsorten die meisten Nährstoffe in ihrer natürlichen Zusammensetzung enthält und mit welcher man noch selber ganz einfach Lebensmittel wie Joghurt, Quark/Topfen, Käse und Dickmilch daheim herstellen kann, kostet gerade einmal 70 Cent. Dieser günstige Preis ist möglich, da Familie Rau die Milch nicht verpacken muss, was auch der Umwelt zugute kommt; Milchflaschen und Kanister lassen sich natürlich wiederverwenden.

Dabei spart der kleine Familienbetrieb aber nicht an der Qualität. Die Kühe, eine Mischung aus den Rassen Fleckvieh und Schwarzbunte (Mischlinge sind wiederstandsfähiger) werden einmal im Monat einer Prüfung unterzogen. Anhand dieser wird festgestellt, wie es jeder einzelnen Kuh geht und was sie braucht. Mit den Ergebnisse wird nun zusammen mit einem Futterberater das Futter auf jede einzelne Kuh speziell abgestimmt. Sozusagen eine Kuh-Luxus-Diät, die die Familie Rau aufgrund ihrer Qualitätsansprüche selbst bezahlt.

Was das bringt? Milch bester Qualität und gesunde Tiere. Medikamente benötigen sie nur im Notfall und wir haben entspechend auch nur Milch in unserer Milch. So wie es sein soll.

 

Eigene Zucht und Futteranbau

Auch das Absetzen der Kälber versuchen Karin und Bernhard Rau für Kuh und Kalb schonend durchzuführen. Das Kalb, das eine Milchkuh 1x/Jahr bekommen muss damit sie Milch gibt, muss von der Mutter getrennt werden – daran führt kein Weg vorbei.

Zum Streicheln bleibt immer zu wenig Zeit

Zum Streicheln bleibt immer zu wenig Zeit

Die besten Erfahrung haben die beiden mit dem sofortigen Absetzen der Kälber gemacht, auch wenn es grausam klingt: Die Mutter darf ihr Kalb trocken lecken, dann wird es ihr weggenommen.
Die für das Kalb so wichtige „Biestmilch“ – die erste Milch, die eine Kuh für ihr Baby produziert und die wichtige Nährstoffe und Antikörper enthält – wird von Hand abgemolken und dem Kalb per Flasche gegeben – dies übernehmen gerne die drei Töchter (20, 17, 14) der Familie. Durch die schnelle Trennung der beiden Tiere wird verhindert, dass eine Mutter-Kind-Bindung überhaupt erst entsteht. Diese würde eine spätere Trennung dann noch schmerzhafter für beide machen.
Haben sich Kalb und Mutter nach ein paar Tagen beruhigt, stehen die Kälber in Freilaufboxen neben ihren Müttern, so dass ein normaler Sozialkontakt – von Rind zu Rind – bestehen bleibt. Denn die weiblichen Kälber werden später als neue Milchkühe in die Herde integriert.

Kleine Genießer

Kleine Genießer

 

Die männlichen Kälber müssen verkauft werden. Die Familie vermarktet kein Fleisch und bringt es auch nicht über’s Herz, die eigens großgezogenen Tiere zu verspeisen. Karin sorgt jedoch dafür, dass der Transport für die Tiere so schonend wie möglich verläuft – denn hier gibt es Unterschiede: Lange hat sie einen Viehhändler gesucht, der die verängstigten Tiere mit großer Umsicht verlädt. Dann folgt der Abschied.

Wir züchten unsere Rinder nach Aussehen“, erzählt Bernhard schmunzelnd, „und nach Charakter“. Die Milchleistung ist hier nicht allein der ausschlaggebende Punkt. Denn mehr Milchleistung bedeutet, dass die Tiere mehr Kraftfutter benötigen und auch, dass sie anfälliger für Stress und Krankheiten sind.

Jedes Tier hat einen Futterplatz

Jedes Tier hat einen Futterplatz

Bernhard Rau hingegen baut auf 50 Hektar den Großteil des Futters für seine Tiere selbst an. Der eigene Anbau von Heu, auf den viele Betriebe aufgrund der schlechten Bilanz (Heu steigert die Milchleistung nicht) mittlerweile verzichten, Mais- und Grassilage (vergorenes Futter, das leicht bekömmlich ist), Getreideschrot und neuerdings auch Kleegras sorgen für Futtermittel aus der Heimat. Zugekauft werden muss nur Rapsschrot und Soja als Kraftfutter.

Schlaf- und Ruhebuchten mit Stroheinstreu

Schlaf- und Ruhebuchten mit Stroheinstreu

Als nicht gelernter Landwirt, der den elterlichen Betrieb mit 20 Milchkühen übernommen hat, wurde Bernhard oft belächelt, als er 2007 von der klassischen Anbindehaltung seiner Eltern (die Tiere können sich hier nicht bewegen und sind lebenslang angebunden) umstieg und den Laufstall außerhalb des Ortes in Richtung Diebach baute. Derzeit wird der Stall um einen 450 qm großen Auslauf für die Jungrinder vergrößert.
Weidehaltung wäre eigentlich ideal, doch seit Jungrinder Nahe der Bundesstrasse, die unweit des Stalls verläuft, ausbrachen, möchten sie das Risiko nicht mehr eingehen. Eine Rückkehr zur partiellen Weidehaltung möchte die Familie für die Zukunft jedoch nicht ausschließen und auch eine Umstellung auf Biobetrieb – der nicht einfach ist – wird möglicherweise in der Zukunft doch noch eine Option.

 

Gutes Futter

Gutes Futter

 

Der Milchautomat „Kuhle Jule“

„Wenn nur der Milchautomat mehr bringen würde“, sagt Karin, die in Teilzeit ihren Beruf als Krankenschwester ausübt. Den Milchautomat hat sich der Betrieb  2008 angeschafft, in der Hoffnung einen Teil der Milch direkt vermarkten zu können.

Die „Kuhle Jule“ ist derzeit die einzige Möglichkeit ihre Rohmilch direkt und somit kostengünstig und umweltfreundlich an die Verbraucher zu bringen da sie diese nicht ausliefern dürfen. Derzeit ist an die Anschaffung einer Pasteurisierungsanlage und eines Kühlwagens nicht zu denken. „Zuerst der neue Laufstall für die Tiere“, das haben sie im Familienrat beschlossen.

Ihr findet die „Kuhle Jule“, wenn ihr in Untereschenbach Richtung Diebach fahrt. Nun immer geradeaus die Sodenbergerstrasse entlang. Aus dem Ort raus und nach 200m links bei den beiden großen Ställen. Geöffnet ist die „Kuhle Jule“ zwischen 8-19 Uhr.
Dort zapft ihr 5-10 Liter Milch und werft einen Blick in den Stall. Daheim könnt ihr dann selbst Joghurt, Quark, Dickmilch, Kefir, Sahne, Frischkäse, Hartkäse herstellen. Siehe Rezepte.

Fütterungszeit ist zwischen 18-20 Uhr, wenn ihr Euch mit Karin und Bernhard unterhalten wollt – auch Kinder sind gerne willkommen zum Kälbchen streicheln. Ein Besuch im Kuhstall beugt in unserer heutigen „keimfreien“ Umgebung nachgewiesen Allergien vor.

 

Unser Fazit

Wir waren positiv überrascht wie offen die Kommunikation mit Familie Rau verlief. Sie sind von Ihrem Betrieb überzeugt, lieben ihre Tiere, die alle einen Namen haben, und geben sich sichtlich Mühe ein gutes Produkt zu erzeugen. Sie möchten ihren Bestand nicht vergrößern, sondern mit ihrer kleinen Herde ein faires Ergebnis erzielen mit dem einen 5-köpfige Familie gut – wenn auch nicht in Luxus – leben kann.

Bezüglich der Haltung wünschen wir uns Weidegang für die Tiere.
Auch würden wir gerne sehen, dass die Tiere ihre Hörner behalten dürfen – in Laufställen werden Rinder fast immer enthornt (= bei Kälbern werden die Hornansätze unter Betäubung entfernt, so dass diese nicht wachsen). Die Enthornung findet paradoxerweise erst seit der Entstehung der Laufställe statt. Die Tiere fechten naturgemäß Rangordnungen aus und könnten sich und auch Menschen mit ihren Hörnern in der engen Umgebung verletzen.

Enthornte Kuh = geringeres Verletzungsrisiko

Enthornte Kuh = geringeres Verletzungsrisiko

Dennoch empfehlen wir Familie Rau mit ihren Kühen hier, denn nach unserer Ansicht sind viele Punkte hingehend Fairness und guter Haltung mit persönlichem Bezug zu den Tieren gegeben. Als Sahnehäubchen achtet Familie Rau sehr auf gutes Futter und gesunde Tiere.

 

Kontakt

Kuhle Jule
Familie Rau
Sodenbergstr 15
97762 Untereschenbach

Tel: 09732 5258

Wenn ihr Fragen habt, dürft Ihr auch gerne uns über info@gutzumessen.de oder über www.facebook.com/GutzumEssen kontaktieren. Wir geben Fragen gerne bei unserem nächsten Besuch weiter und liefern Euch hier die Antworten.

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Milchkuhbetrieb 50.118900, 9.853191 Milchtankstelle \'Kuhle Jule\': weitere Infos

 

Updates

2 thoughts on “Milchkuhbetrieb in Hammelburg

  1. Hallo,
    ihr kennt mich nicht macht nichts .ich habe euch übers Internet gefunden, denn ihr habt auch eine Milchtankstelle von Risto? Mit anderen Besitzer haben ich und sie mit mir Kontakt aufgenommen wegen der Eichung. Bitte um Rückantwort da wir evtl. eine Gemeinschaft gründen möchten. Danke Eichenmüller

    • Hi,
      nimm doch bitte am besten direkt Kontakt auf mit Familie Rau. Die Telefonnummer findest du oben im Artikel.
      Viele Grüße
      Sebastian

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